20 Jahre Vienna Capitals

Die spusu Vienna Capitals präsentieren sich zum 20-jährigen Jubiläum so wienerisch wie noch nie. Stolze 18 „Local Boys“ prägen die Identität des Hauptstadtklubs, allein 13 wurden im eigenen Nachwuchs ausgebildet – eine neue historische Bestmarke. „Gerade jetzt, in der „Corona Zeit“, reden alle von „Regionalität“ – wir leben diese schon seit Jahren“, sieht sich Präsident Hans Schmid im Wiener Weg bestätigt. „Wir sahen die Nachwuchsarbeit samt vereinseigener Vienna Capitals Hockey Academy immer als Investment in die Zukunft, nie primär als Kostenfaktor.“

Gelb-Schwarz in Rot-Weiß-Rot

Die spusu Vienna Capitals reduzierten in der Saison 2020/2021 die Anzahl an Import-Spieler von zwölf auf sieben. Stattdessen investierte der zweifache Meister mehrheitlich in rot-weiß-rote Qualität. Der Stamm der Mannschaft konnte gehalten werden. Benjamin Nissner stürmt nach einem Jahr in Schweden wieder für seinen Heimatverein. Marco Richter kam aus Klagenfurt. Darüber hinaus zogen die Caps die besten Talente ihres vorübergehend stillgelegten Farmteams in den Profi-Kader hinauf. „Unsere Vereinsstrategie war immer den eigenen Nachwuchs bestens auszubilden und behutsam an die Profi-Mannschaft heranzuführen. Die Corona-Pandemie hat diesem Prozess natürlich eine gewisse Dynamik gegeben“, erklärt General Manager Franz Kalla.

„Fire on Ice“ – eine Erfolgsgeschichte in Gelb-Schwarz

Im September 2001 nahmen die spusu Vienna Capitals erstmals als neugegründeter Club an der höchsten österreichischen Eishockeyliga teil. Heuer gehen die Wiener somit in ihre 20. Saison und wollen die bisherige Erfolgsgeschichte fortsetzen. Die wichtigsten Höhepunkte, Dramen und Rekorde im Rückblick.

GründungsmythosEs begann am Heumarkt

Die Eishockey-Saison 2000/2001 fand nach der Auflösung des WEV ohne Beteiligung einer Wiener Mannschaft statt. Dieses Eishockey-Interregnum nützten die vier Wiener Eishockey-Enthusiasten Kurt Harand, Martin Platzer, Günther Hammer und Hans Schuller und hoben im Sommer 2000 auf dem Wiener Heumarkt die Vienna Capitals aus der Taufe. Aus ursprünglich in geselliger Runde konzipierten Vereinsnamen und Logos wurden schließlich die Vienna Capitals mit dem Slogan „Fire on Ice“.

Head-Coach Kurt Harand instruiert seine Cracks

Am 20. September 2001 fiel der erste Puck in der Albert-Schultz-Halle (jetzt: Erste Bank Arena) und 3500 fanatische Fans sahen eine 4:7-Niederlage gegen Linz - wobei 60 Minuten lang alles gut für die Wiener aussah, das letzte Drittel ging allerdings 0:4 verloren. Kein Drama! Das Eishockey-Feuer in Wien war entfacht, es wurde eine erfolgreiche erste Saison mit dem Einzug ins Halbfinale und einem Zuschauerschnitt von 3500. Die Marke Vienna Capitals hatte voll eingeschlagen. In der zweiten Saison spielten die Wiener mit einer jungen Truppe gefälliges Hockey, im Viertelfinale war dann Saisonende.

Marco Leinonen – erster Legionärs-Goalie bei den Capitals

Hans Schmid übernimmt das Steuer

Bereits in der Gründerzeit der Vienna Capitals wurde der erfolgreiche Unternehmer Hans Schmid ins Boot geholt, um Sponsoren zu überzeugen, das ambitionierte Eishockey-Projekt in Wien finanziell zu unterstützen. 2003 übernahm Hans Schmid schließlich das Amt des Präsidenten und stellte die Vienna Capitals auf finanziell gesunde Beine. Die Saison 2003/04 verlief sportlich enttäuschend. Nach einem miserablen Auftakt mit zahlreichen Niederlagen rangierten die Capitals am letzten Tabellenplatz und im Oktober 2003 wurde Headcoach Kurt Harand vom Italo-Kanadier Jim Boni abgelöst. Boni schaffte zwar spielerisch eine Wende, für die Play-offs reichte es in dieser Saison allerdings nicht mehr. Es sollte die einzige Saison bleiben, in der die Vienna Capitals die Play-offs verpassten. Doch Jim Boni hatte einen soliden Grundstock für die kommende Saison gelegt.

Boni formt eine Meistertruppe

Die Saison 2004/05 begann mit einer rundum erneuerten Truppe. Boni fand die richtige Mischung zwischen ausgezeichneten Legionären und starken einheimischen Spielern. Torhüter Frederic Chabot und die Stürmer Bob Wren, Mike Craig und Dave Chyzowski bildeten das Gerüst, um das Jim Boni seine Meistertruppe formte. Die Austro-Kanadier Darcy Werenka und Ray Podloski trugen ebenso zum unglaublichen Erfolg bei wie Dieter Kalt, Markus Peintner, Robert Lukas, Philippe Lakos oder Gregor Baumgartner. Nach einer überragenden Saison kam es im Finale zum Showdown im siebten Spiel gegen den EC-KAC. Das Ende ist bekannt: Die Vienna Capitals siegten 6:2 und holten nach 43 Jahren wieder den Meistertitel nach Wien. Bei der überschwänglichen Meisterfeier im Wiener Prater zerbrach nicht nur die Meisterschale, sondern auch das Erfolgsteam. So verliefen die folgenden beiden Saisonen eher durchschnittlich, in den Play-Offs war jeweils gegen Salzburg im Halbfinale Endstation. Mitte der Saison 2006/07 zeichnete sich der Abgang von Jim Boni ab, ein neuer Head-Coach wurde gesucht.

Bob Wren, Darcy Werenka und Mike Craig
Meisterjubel 2005 in der Kabine

Hollywood on Ice mit Kevin Gaudet

Vor der Saison 2007/08 kam es im österreichischen Eishockey zu einer grundlegenden Veränderung. Das leidige Thema betreffend die Anzahl der spielberechtigten Legionäre wurde mit der neuen Punkteregel beendet. Maßgeblich an der Neuerung beteiligt waren die Vienna Capitals unter Präsident Hans Schmid. Die neue Regel sah vor, dass jedes Team eine bestimmte Punkteanzahl (65 in der ersten Saison) für den Kader einsetzen darf. Wobei Legionäre und österreichische Teamspieler mit je vier Punkten bewerten wurden und je nach Einschätzung der Spielstärke eines Spielers mit abfallenden Punktewerten. Einheimische Nachwuchsspieler wurden mit Null bewertet und sollten dadurch mehr Eiszeit bekommen. Diese Form der Nachwuchsförderung klappte zunächst nur suboptimal, 12 bis 14 Legionäre pro Team waren keine Seltenheit in der Liga.

Benoit Gratton – langjähriger Caps-Kapitän mit unglaublichem Kämpferherz

Als neuer Headcoach wurde der Kanadier Kevin Gaudet vorgestellt, der neben viel DEL-Erfahrung auch gleich einige Legionäre aus der DEL mit nach Wien brachte. Als besonderes Husarenstück gelang die Verpflichtung der dominierenden Sturm-Reihe von Ligakonkurrent Jesenice mit Aaron Fox, Marcel und David Rodman. Kevin Gaudet versprach in seiner Antrittspressekonferenz attraktives Eishockey und er hielt Wort. Die Capitals zauberten ein Offensiv-Feuerwerk aufs Eis und dominierten die Anfangsphase der Meisterschaft. Hollywood on Ice hatte Einzug in Kagran gehalten. Doch dann schlug der Verletzungsteufel in bisher nicht dagewesenem Ausmaß zu: Nicht weniger als sechs Torhüter (J.F. Labbe, Walter Bartholomäus, Günter Hell, Sebastien Charpentier, Florian Weisskircher und Kelly Guard) wurden in der ersten Gaudet-Saison verbraucht. Am Ende war im Semifinale gegen Salzburg Endstation. So wie auch in den folgenden Saisonen. Wobei es, bis auf eine Ausnahme, immer die Bullen aus Salzburg waren, an denen die Capitals nicht vorbeikamen. Die Ausnahme war Linz. Nach einer 3:0-Führung im Semifinale gegen die Black Wings, verloren die Capitals im März 2010 das entscheidende siebente Spiel und schieden leicht traumatisiert aus. Am Ende standen für Kevin Gaudet nach vier Saisonen in Wien vier Semifinal-Teilnahmen zu Buche.

Quantensprung im Nachwuchs-Hockey - Eissportzentrum Kagran

Bereits im September 2009 erfolgte der Spatenstich zum Um- und Ausbau der damaligen Albert Schultz-Halle zum Eissportzentrum Kagran. Im Herbst 2011 wurde das neue Eissportzentrum mit der nunmehr 7022 Zuschauer fassenden Halle 1 und insgesamt drei Eisflächen in Betrieb genommen. Das ist bis heute einzigartig in Österreich und ermöglichte endlich den Aufbau einer professionellen Nachwuchsorganisation. Unter Leitung von Philippe Horsky wurden die Silver Capitals als Nachwuchsorganisation etabliert und bis zum heutigen Tag zu einer international anerkannten Nachwuchsschmiede.

Schwedische Eishockeyschule

Bereits zwei Tage nach dem Semifinal-Aus 2011 präsentierten die Vienna Capitals Tommy Samuelsson als Nachfolger von Kevin Gaudet. Der Schwede mit WEV-Bezug führte die Capitals erstmals durch die neu gegründete European Trophy, den Vorläufer der Champions Hockey League. In der Meisterschaft lief es mit neuem, defensiverem System, nicht nach Wunsch. Die Capitals qualifizierten sich mit Ach und Krach in der letzten Runde mit einem 11:3-Kantersieg gegen Jesenice für die Play-offs. Dort war bereits im Viertelfinale gegen Linz Schluss. Allerdings wehrten sich die Caps bis ins siebente Spiel, das jedoch klar 3:8 verloren ging. In der Saison 2012/13 schaffte Österreichs Hauptstadtklub erstmals die Hürde Salzburg im Semifinale und zog nach 2005 endlich wieder in ein Finale ein. Dort war der EC-KAC der Gegner und nach vier Spielen waren die Klagenfurter Meister. In den Play-Offs 2014 setzte es im Viertelfinale ein enttäuschendes 1:4 gegen den EC VSV. Damit war die Zeit Tommy Samuelssons in Wien abgelaufen.

Rafael Rotter – Localhero seit 2008

Boni übernimmt von Kurzzeit-Coach Pokel

Rasch war ein Nachfolger für Tommy Samuelsson gefunden. Mit dem US-Amerikaner Tom Pokel kam im Sommer 2014 der damals aktuelle Meister-Coach aus Bozen nach Wien. Pokel wirkte sehr ambitioniert, in der Champions Hockey League gewannen die Capitals ihre Gruppe und erreichten das Achtelfinal. Dieser Elan wurde auch in die Meisterschaft mitgenommen, gegen Jahresende kam es aber – auch auf Grund vieler Verletzungen – zu einem rapiden Leistungsabfall. Die Platzierungsrunde zu den Play-Offs verlief desaströs und so trennten sich die Capitals kurz vor Play-Off-Beginn von Pokel, der sich „mental leer“ fühlte. Manager Franz Kalla zauberte innerhalb weniger Tage Jim Boni aus dem Hut und der „Meistermacher“ von 2005 übernahm eine verunsicherte Truppe. Schlussendlich motivierte Boni seine Spieler derart, dass erst im Finale gegen Salzburg Schluss war.  Die 0:4-Finalniederlage gegen die Eisbullen schmerzte zwar, ein neues Feuer war aber entfacht. Let’s make the Halle beben“ war der Leitspruch Bonis in seiner zweiten Amtszeit als Head-Coach der Vienna Capitals. Die Halle bebte tatsächlich das eine oder andere Mal, nach einer durchwachsenen Saison 2015/16 scheiterten die Capitals aber bereits im Viertelfinale an Villach.

Phil Lakos – verlässliches Urgestein

Goldgriff Serge Aubin - der Rekordcoach

Die Saison 2016/17 brachte den siebenten Trainerwechsel in der Geschichte der Vienna Capitals. Und es sollte ein denkwürdiger Neuanfang sein. Mit dem Kanadier Serge Aubin kam ein akribischer Arbeiter, der einen unglaublichen Teamgeist in Kagran entfachte. Vom ersten Arbeitstag weg vertrauten die Spieler dem Kanadier, der selbst 400 NHL-Spiele in den Beinen hatte und Topscorer in der Schweiz gewesen war. Als Trainer hatte sich Aubin vor seinem Engagement in Wien in der DEL einen Namen gemacht. Die Capitals legten mit 33 Siegen, 98 Punkten und nur 95 Gegentoren einen Rekordgrunddurchgang hin. In den Play-Offs ging es mit den Rekorden weiter: In der Minimalanzahl von zwölf Spielen und dem ersten „Triple-Sweep“ der Ligageschichte wurden die Vienna Capitals am 7. April 2017 zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte Meister. Serge Aubin und viele Spieler waren nach dieser Rekordsaison begehrte Aktien auf dem Transfermarkt, doch der Kanadier und fast alle Spieler blieben in Wien. So wurde auch die folgende Saison 2017/18 über weite Strecken erfolgreich. Der Grunddurchgang wurde mit einem Start-Ziel-Sieg abgeschlossen. Die Semifinalniederlage gegen Bozen kam dann überrschend.

Meisterfeier 2017

NHL meets Vienna

Serge Aubin war nicht zu halten, so folgte im Sommer 2018 der Kanadier Dave Cameron als Head-Coach, mit dem NHL-Luft nach Kagran kam. Cameron wechselte direkt aus der NHL, wo er Assistant-Coach in Calgary und zuvor Head-Coach in Ottawa gewesen war, zu den Vienna Capitals. Nach einem erfolgreichen Grunddurchgang gingen die Capitals als Favoriten in die Play-Offs. Znaim wurde problemlos ausgeschaltet. Im Semifinale ging die Serie gegen Salzburg über sieben Spiele. Die Capitals gewannen schließlich den Showdown 3:1 und trafen im Finale auf den EC-KAC. Dort gaben schließlich mehrere Faktoren den Ausschlag, dass Klagenfurt die Finalserie 4:2 gewann. Die Enttäuschung war groß, einige Leistungsträger verließen Wien nach der Saison und die Spielzeit 2019/20 wird insofern in die Geschichtsbücher eingehen, als sie mitten in den Play-Offs durch die weltweite Corona-Pandemie abgebrochen und ohne Meistertitel beendet wurde.