5.5.2026 / 14:15 Uhr
Head-Coach Mike Stewart im Einstandsinterview
Mit Mike Stewart präsentierten die Vienna Capitals am gestrigen Montag den 14. Head-Coach der Vereinsgeschichte. Der Austro-Kanadier signierte einen Zweijahresvertrag in der Bundeshauptstadt. Damit kehrt der 53-Jährige nach 14 Jahren wieder nach Österreich zurück. Stewart hinterließ als Spieler des EC VSV zwischen 2001 und 2010 einen bleibenden Eindruck in der heimischen Eishockeyszene, war an der Drau im Anschluss zwei Jahre lang erst Assistant, dann Head-Coach. Der neue Head-Coach der Capitals nahm 2005 die österreichische Staatsbürgerschaft an und repräsentierte die Alpenrepublik bei zwei A-Weltmeisterschaften. Nach 13 Spielzeiten als Cheftrainer im deutschen Eishockey ist Stewart als Caps-Head-Coach zurück in seiner zweiten Heimat. Im Einstandsinterview spricht der 53-Jährige über seine persönliche Vorbereitung in den kommenden Monaten, seine Philosophie als Head-Coach und darüber, dass ihm die Entscheidung für Wien sehr leicht gefallen ist.
Mike Stewart, herzlich willkommen bei den Vienna Capitals! Was sind deine Gedanken zu deiner neuen Aufgabe?
Ich freue mich riesig, es ist eine große Ehre, hier arbeiten zu dürfen. Wien ist eine große Stadt, ein Kulturzentrum in Europa. Hier gibt es große Eishockeytradition und sehr treue Fans. Durch die vielen Gespräche mit Christian Dolezal und meinen Besuch in Wien weiß ich, dass die Bedingungen vor Ort für das Team super sind. Zusammen wollen wir den nächsten Schritt in der Entwicklung der Organisation machen.
Du warst von Anfang an Wunschkandidat der Sportlichen Leitung. Mit welchen Faktoren konnte man dich für das Projekt Vienna Capitals überzeugen?
Wien ist eine tolle Eishockeyadresse. Hier gibt es Tradition, die Fans und die Halle sind top. In der Vorsaison hat die Mannschaft gezeigt, was sie draufhat, wenn sie gesund war. Wir wollen in der kommenden Saison den nächsten Schritt machen und unsere Entwicklung als Team in die richtige Richtung lenken. Diese neue Aufgabe ist eine Challenge, das gefällt mir. Wien ist Wien und die Caps sind ein Name, deswegen war die Entscheidung relativ leicht.
Jeder Head-Coach hat seinen eigenen Stil. Wofür soll ein von Mike Stewart trainiertes Team auf und abseits des Eises stehen?
Vom ersten Tag weg wollen wir unsere Caps-Identität etablieren, das ist ganz wichtig. Wir wollen Leute mit ordentlichem Charakter haben, die anständige junge Männer sind. Ich stehe für aggressives „in your face“-Eishockey, für schnelles und strukturiertes Eishockey mit verantwortungsbewusster Defensiveinstellung. Wir wollen ein schnelles Umschaltspiel nutzen, um Offensive zu kreieren. In beide Richtungen soll nicht nur hart gearbeitet, sondern auch zusammengearbeitet werden. Die Mannschaft soll als eine Einheit aus der Kabine kommen. Diese Elemente sind mir enorm wichtig.
Hast du die Mannschaft aus der Ferne schon etwas kennenlernen können?
Aufgrund meiner Vergangenheit in Österreich habe ich die Liga immer weiterverfolgt, auch wenn ich nicht hier war. Durch weiterführende Gespräche mit der Sportlichen Leitung, meinem Co-Trainer und Spielern werde ich einen noch tieferen Einblick bekommen. Es ist meine Arbeit in den kommenden Wochen, zu wissen, was wir haben, was wir brauchen und wie wir unsere Mannschaft optimieren können.
Du sprichst es schon an, in unserem Team ist noch der eine oder andere Platz frei. Gemeinsam mit der Sportlichen Leitung wirst du diese besetzen. Wie wird das in den kommenden Wochen ablaufen?
Wir werden viel Scouting betreiben. Dazu kommen Background-Checks. Nur Talent als Eishockeyspieler zu haben, ist zu wenig, um ein Cap zu werden. Wir brauchen Leute, die ehrliche Arbeit leisten, lernwillig sind und gute Teamkollegen abgeben. Das ist mir enorm wichtig. Dieser Prozess wird klarerweise Zeit benötigen.
Du bist eine feste Größe im österreichischen Eishockey, bist selbst Österreicher und zweimal bei A-Weltmeisterschaften für Rot-Weiß-Rot auf dem Eis gestanden. Wie sehr freust du dich über deine Rückkehr in deine zweite Heimat?
Nach Österreich zurückzukehren, ist wie nach Hause zu kommen, schließlich war ich schon elf Jahre hier. Ich habe drei Kinder, alle drei sind in Österreich auf die Welt gekommen. Ich habe hier noch viele Freunde, der Kontakt ist nie abgerissen. Die Umstellung für mich und meine Frau wird ganz easy sein. Wir sprechen beide Deutsch, der Dialekt wird bald wieder zurückkehren. Englisch ist zwar die internationale Eishockeysprache, aber für Einzelgespräche mit den österreichischen Spielern ist es immer ein Vorteil, Deutsch zu können.
Wenn du an deine aktive Karriere zurückdenkst, wie hast du die Capitals damals empfunden?
Wien hatte immer schon tolle Mannschaften und Spieler wie Phil Lakos, Mike Craig oder Darcy Werenka. Die Caps waren stets ein Kandidat auf den Meistertitel. Als Auswärtsmannschaft war es nie leicht, in Wien zu spielen. Das soll auch in Zukunft so sein.
Du hast damit auch unsere Fans angesprochen. Was ist deine Botschaft an die Capitals-Fans?
Ich habe über die Caps-Fans aus den vergangenen Jahren nur Positives gehört, die Stimmung in der STEFFL Arena ist immer top. Mit der Unterstützung der Caps-Fans können wir viel erreichen. Wenn die Verbindung zwischen Team und Fans stark ist, dann gibt das der Mannschaft immer einen Vorteil.